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Fachexkursion: "Niedrig-Energie-Häuser und Photovoltaik für Klimaschutz"

Best-Practice-Beispiele in Deutschland

Fachexkursion der Raiffeisen Bausparkasse GmbH
vom 13. – 15. Oktober 2008

Die Raiffeisen Bausparkasse lud vom 13. bis 15. Oktober 2008 zu einer Fachexkursion nach Stuttgart und Freiburg, bei der die Situation der Wohngebäudesanierung, die Förderbedingungen sowie der Stand der Photovoltaik in Deutschland vorgestellt wurden.

Umwelt Management Austria leistete die inhaltliche Konzeption, wissenschaftliche Vorarbeiten und Begleitung. Dabei konnte auf der schon bisher sehr konstruktiven und engagierten Zusammenarbeit (siehe beispielsweise Studie „Klimaschutz durch Wohnbausanierung“- Zusammenfassung) aufgebaut werden.


Exkursionsziel

Baden-Württemberg und Freiburg wurden aufgrund ihrer Fortschritte im Bereich Photovoltaiknutzung bzw. der Gebäudesanierung als Ziel der Exkursion ausgewählt. So waren beispielsweise in Baden-Württemberg im Jahr 2006 500 MW Photovoltaik installiert (Platz 2 hinter Bayern; zum Vergleich: in Österreich waren Ende 2007 laut E-Control 39,55 MW installiert bzw. als Ökostromanlage anerkannt). Des Weiteren entfielen ca. 25 % der Kreditzusagen im Rahmen des Gebäudesanierungsprogramms auf Baden-Württemberg.


Einführung durch die DENA

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Energieagentur (DENA), Stephan Kohler (siehe Bild) stellte in seinem einführenden Referat das CO2-Gebäudesanierungsprogramm der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) sowie das Erneuerbare Energien-Gesetz mit spezifischer Betrachtung der Photovoltaik vor. Des Weiteren erläuterte er die Ziele der deutschen Bundesregierung zum Schutz des Klimas sowie zum Ausbau der erneuerbaren Energien bis 2020. So soll beispielsweise der derzeitige 14%-Anteil regenerativer Energien am Strommix bis 2020 auf 30% gesteigert werden.

Kohler verdeutlichte, dass langfristig nur durch eine sehr große Steigerung der Energieeffizienz die Versorgung weitgehend durch den Ausbau der erneuerbaren Energien gewährleistet werden kann. Er machte an Beispielen im Rahmen des DENA-Programms "Niedrigenergiehaus im Bestand" (siehe www.zukunft-haus.info) darauf aufmerksam, dass Faktor 10-Sanierungen bei Wohngebäuden möglich sind und dass dieses Potenzial weitestgehend ausgeschöpft werden muss.


Beispiele in der Praxis

Am Beispiel der Sanierung von Mehrfamiliengebäuden in der Freiburger Rislerstraße wurde veranschaulicht, welche Energieeinsparungen bei gleichzeitiger Steigerung des Komforts möglich sind (siehe Foto). Im Rahmen des Modellprojekts der DENA konnte mit heute zur Verfügung stehenden Technologien der Primärenergiebedarf (Heizung, Warmwasser, Strom für die Heizung) von 300 kWh/m²a in 2 Varianten auf knapp 40 kWh/m²a bzw. 50 kWh/m²a reduziert werden.


Modell für autofreie Mobilität

Am letzten Tag der Exkursion wurde der sozial-ökologische Freiburger Modellstadtteil Vauban besichtigt, um sich u.a. über das autofreie Mobilitätskonzept, die angrenzende Solarsiedlung mit Wohn- und Bürogebäuden („Sonnenschiff“) in Plusenergiebauweise sowie deren Ausgangskonzepte, welche auf einer Bürgerinitiative beruhen, zu informieren (siehe Foto).


Fazit der Reise

  • Ganzheitliche Sanierung schafft Komfort, Wertsteigerung, Arbeit und Klimaschutz
    Um die von Österreich angestrebten Sanierungsziele bei Wohnbauten (wirkungsvolle, ganzheitliche Sanierung mit Raten von kurzfristig 3% pro Jahr sowie langfristig von 5% pro Jahr) zu erreichen, ist es erforderlich, neben dem Ausbau und der Verbesserung von Information und Beratung für die Hausbesitzer die Fördermittel für die Sanierung auf mindestens 1 Mrd. Euro pro Jahr aufzustocken. Rechtliche und organisatorische Hemmnisse sind zu beheben.
  • Energischer Ausbau der erneuerbaren Energie sichert Zukunft
    Will man in Zukunft unabhängig von Importen fossiler Energie sein, so müssen dafür bereits heute die Weichen in Form von attraktiven und unbürokratischen Förderbe¬dingungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien gestellt werden. Die Exkursion verdeutlichte einmal mehr durch den Vergleich der Rechtsgrundlagen (Erneuerbare Energiengesetz) und der faktischen Situation in Deutschland die enormen Schwierig¬keiten, mit denen der Ausbau der Photovoltaik in Österreich zu kämpfen hat aufgrund des Ökostromgesetzes, welches Photovoltaik behindert statt fördert (zwar wurden die Einspeisetarife angemessen angehoben und die Finanzierungspflicht der Länder beseitigt. Durch die finanzielle Deckelung, die Verbürokratisierung von Anmeldung und Genehmigung und die unsichere Perspektive wird ein nennenswerter Ausbau allerdings hintangehalten).


Zu fordern ist daher:

  • Schaffung von langfristigen, verlässlichen Rahmenbedingungen mit angemessener, im Vorfeld festgelegter Degression der Vergütung
  • Abnahme- sowie Vergütungspflicht durch die Energieversorger
  • Garantierte Einspeisevergütung für mindestens 15 Jahre
  • Keine Deckelung der Förderung des Ausbaus erneuerbarer Energien!
  • Vereinfachte Anmeldung nach Deutschem Vorbild (nach Mitteilung an den Netzbetreiber ist dieser zur Abnahme und Vergütung des Stroms verpflichtet)
    Siehe dazu auch die Stellungnahme zum Ökostrom-Gesetz

Aufgrund der Erfahrungen dieser Fachexkursion haben Veranstalter (Raiffeisen Bausparkasse GmbH) und Mitwirkende bekräftigt, sich gemäß ihren jeweiligen Möglichkeiten in Österreich für eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Sanierung von Wohnbauten auf Niedrig-Energieniveau und den Ausbau der Photovoltaik einzusetzen.